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Gernot Kissel

Vita

1939 (in Worms geboren) - † 9.8.2008

Gernot Kissel gehörte zu den aufrechten Vertretern des Körperschönen und würde ständig in sich hinein lächeln, betrachtete er die wachsende Zahl von Kollegen und Kunstfreunden, die ihren diesbezüglichen Wahrnehmungshorizont inzwischen emsig erweitern.

Sein aufrechter Gang in diesem Thema schien berufsbedingt zu sein. Mit seinen malenden Vorvätern der „Brücke“ teilte er die Profession des studierten Architekten und damit die Segnungen einer Randlage, die Raum für das Eigene bot. Dass ihn genauso der Farbauftrag von Künstlern wie Alexej von Jawlensky angeregt hat oder seine Intensität des Zugriffs auf dass Modell Toulouse–Lautrec variierte, das machte ihn keinesfalls zum Eklektiker, denn wer wollte behaupten, dass eine Stilrichtung abgeschlossen war, solange ihr noch Künstler wie Kissel Eigenes abgewinnen konnten. Ein Blick auf die Kunstgeschichte lehrt zudem, dass sich das Potenzial einer neuen Richtung nie in wenigen Generationen erschöpft. Diese Einsicht hat die Neuzeit mit ihrer technoiden Beschleunigungstendenz zwar nicht widerlegt, aber aus dem Bewusstsein verdrängt. Die großen Stränge der Entwicklung sieht sowieso erst die Zukunft deutlich, das war schon so für die Zeit der Carracci und Cravaggio.

Kissel bekannte sich zum Primat unbedingter Malerei, zur Dominanz der Farbe, zur massiven Umrisslinie und besonders zu einem höchst sinnlichen Farbauftrag, wenn er mit dem Daumen ins Material ging und ihm selbst sein stets zügiger Pinselduktus oder der Spachtel zu distanziert blieben, wenn es galt ein Lippenpaar aus der Studie am Modell ins Bild zu übertragen.

Ein weiteres Merkmal seines Vortrages bestand in einer Vorliebe für die Intensität komplementärer Kontraste von aneinander grenzenden in sich farbäquivalenter Flächen. Ein leuchtendes Rot, das Kissel gerne als Grundton wählte, legte er wie eine Draperie an, die das Inkarnat der Haut lustvoll unterstrich.

Prof. Dr. Helge Bathelt, M.A

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